Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel

Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel
Event on 2014-10-04 20:00:00

Voraufführung; Regie: Tina Engel

Drei Diktatorengattinnen haben sich zu einer Pressekonferenz versammelt. Anlass ist die geplante Verfilmung ihres Lebens. Zunächst tratschen sie miteinander wie nette Nachbarinnen von nebenan, doch mit der Zeit geraten die Frauen immer heftiger aneinander, verstricken sich immer tiefer in den grausamen Taten ihrer Vergangenheit. Redlich versucht ein Dolmetscher, zwischen den Frauen zu vermitteln und befördert wider Willen einen Wettstreit des Monströsen, in dem schon kleinste Missverständnisse fatale politische Verwerfungen auslösen.

Dabei sind die drei Damen längst nicht mehr im Amt. Die Männer von Frau Margot und Frau Imelda sind unfriedlich verstorben und der von Frau Leila steht aktuell "vor so einem grotesken holländischen Gericht, Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Als handele es sich um die netten Leute von nebenan, plaudern sie zunächst über Partys bei Stalin, Handküsse von Mao, über Schuhe, schusssichere BHs und Geschenke, die Castro ihnen überreichte. Selbst Mordanschläge oder Aufstände werden nonchalant wie notwendige Übel abgehandelt. Obwohl die Zeitläufe eine deutlich andere Sprache sprechen, weigern sich die drei, ihre Uhren umzustellen, und befinden unisono, dass ihre Biographien viel zu überwältigend seien, um in einen banalen Film zu passen; allein die Oper könnte das angemessene Medium sein …

In ICH BIN WIE IHR, ICH LIEBE ÄPFEL führt Theresia Walser ihre Beschäftigung mit der Problematik des Bösen auf der Bühne, begonnen in ihrem Stück EIN BISSCHEN RUHE VOR DEM STURM, das in der Spielzeit 2012/ 2013 auch am Renaissance-Theater Berlin zu sehen war, fort. Nur dreht sie dessen Perspektive um 180 Grad: Waren es dort drei Schauspieler (Robert Gallinowski, Jörg Gudzuhn, Guntbert Warns), die erzählen, wie es war, Hitler bzw. Goebbels darzustellen, sind es hier drei einstige Politikerinnen (Ähnlichkeiten mit realen Personen sind weder zufällig noch unbeabsichtigt), die mit der Repräsentation ihrer Selbst-Wahrnehmung hadern. Zwischen dem leibhaftigen Gegenstand, der Verkörperung der Macht, und seinem Abbild klafft ein immer größerer Riss, der die eigentlichen Abgründe enthüllt – und der befreiendes Gelächter provoziert.Zum Veranstaltungskalender

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at Renaissance-Theater(Bruckner-Foyer)
Knesebeckstr 100
Berlin, Germany

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